Welche Wege führen zum Berufsbild "Sommelier"

Welche Herausforderungen und welche Zukunft bringt eine Ausbildung an einer Sommelier-Schule mit sich?

 

Dies ist heute unser Thema. Aber nicht nur. Auch andere Optionen stellen nicht nur ''zweite Wahl'' dar.

Da sind zunächst die Sommelier-Schulen. Sie haben seit ihrer Gründung enorm dazu beigetragen, dass das Berufsbild des Sommeliers sowohl auf nationaler wie auch auf internationaler Ebene ein tolles Niveau erreicht hat. Die Sommelierschulen haben sich den Herausforderungen unserer Zeit gestellt und der Nachfrage der Gastronomie nach qualifizierten Sommeliers eine fundierte Ausbildung angeboten.

Nicht jeder hat aufgrund zeitlicher und finanzieller Rahmenbedingungen die Möglichkeit eine Sommelier-Schule zu besuchen. Deshalb haben sich mit der Zeit verschiedene Möglichkeiten zur Sommelier-Weiterbildung herauskristallisiert.

''Sommelierschule  - was nun?'' - die Sommelierschulen und Alternativen zur Weiterbildung

 

Eine ausführliche Übersicht erstellt von Evengelos Pattas.

Übersicht

Die eigenständigen Programme und Abschlüsse

  1. Die Sommelier-Schulen in Deutschland
    1. Die Sommelier-Schule in Heidelberg
    2. Die Sommelier-Schule in Koblenz (mit Zweigstellen Berlin, München und Hamburg)
  2. Das Nachwuchsförder-Programm der Sommelier-Union (Sommelier-Trainee-Programm)
  3. Verbandsgeprüfter Sommelier
  4. Internationale Weinausbildung an der Wein- und Sommelierschule Koblenz (in Vorbereitung)
  5. DIPLOMA IN WINES AND SPIRITS des britischen Wine and Spirit Education Trust (WSET)
  6. Studium des Weinbaus und der Oenologie (Kellerwirtschaft) an der FH Geisenheim (Hessen)
  7. Studium der Weinbetriebswirtschaft an der FH Weinsberg (Baden-Württemberg)
  8. Master of Wine (MW)
  9. Master-Sommelier (MS)

Teilaspekte der Weiterbildung, Fortbildungsmodule

1. Die Sommelier-Schulen in Deutschland

1.1. Die Sommelier-Schule in Heidelberg

  • Schwierigkeitsgrad / Anspruch:
    • hoch für Nachwuchssommeliers
  • Zulassung:
    • Ausbildung in der Gastronomie
    • 3 Jahre Berufserfahrung
  • Abschluss:
    • Staatl. Geprüfter Sommelier / Sommelière mit Ausbildereignung
  • Dauer:
    • 1 Schuljahr (10 Monate)
  • Sprache:
    • deutsch
  • Unterrichtsform:
    • Vollzeit
  • Unterrichtsfächer:
    • Weingeographie und Weingeschichte
    • Fachkunde (z.B. Zuordnung von Speisen und Getränken)
    • Fachpraxis
    • Deutsch (Rhetorik, Gesprächsführung, Korrespondenz)
    • Englisch und Französisch
    • Betriebsorganisation
    • Personalwirtschaft
    • Volkswirtschaftslehre mit Politik
    • Marketing

1.2. Die Sommelier-Schule in Koblenz (mit Zweigstellen in Berlin, München und Hamburg)

 

    • Schwierigkeitsgrad / Anspruch:
      • hoch für Nachwuchssommeliers
    • Zulassung:
      • Ausbildung in der Gastronomie (Restaurant- oder Hotelfachmann /-frau)
      • 2 Jahre Berufserfahrung
    • Abschluss:
      • IHK-geprüfte/-r Sommelier / Sommelière
    • Dauer:
      • 6 Monate
      • sowie Exkursionen
      • 2-wöchiges Praktikum im Weinberg
    • Sprache:
      • deutsch
    • Unterrichtsform:
      • berufsbegleitend
    2. Das Nachwuchsförder-Programm der Sommelier-Union (Sommelier-Trainee-Programm)
    • Schwierigkeitsgrad / Anspruch:
      • hoch für Nachwuchssommeliers
    • Zulassung:
      • Ausbildung in der Gastronomie
      • einschlägige weinfachliche Kenntnisse
      • Vertragsabschluß zwischen Trainee und Sommelier-Union Deutschland
    • Dauer:
      • 3 Jahre
    • Sprache:
      • deutsch
    • Unterrichtsform:
      • berufsbegleitend
    • Kosten:
      • € 220,-- pro Jahr
    • Bausteine des Programms:
      • Teilnahme an mind. zweimal zwei Tagen Trainingsseminar pro Jahr
      • Teilnahme an mind. 2 von der Sommelier-Union organisierten Weinreisen pro Jahr gegen eigene Kostenbeteiligung
      • Teilnahme an mind. 2 Trainee-Reisen pro Jahr, organisiert von der Sommelier-Union
      • Teilnahme an mind. 2 Wettbewerben (national oder international) innerhalb der 3 Jahre
      • Organisation einer Regionalveranstaltung pro Jahr
    3. Verbandsgeprüfter Sommelier

    Anlass zur Schaffung der Qualifikation "Sommelier verbandsgeprüft"

    • Unklares Bild des Sommeliers in der Öffentlichkeit
    • Inflationäre Verwendung der Bezeichnung ''Sommelier''
    • Schwierigkeitsgrad / Anspruch:
      • hoch
    • Zulassung:
      • mind. 5 Jahre in der Gastronomie als Sommelier tätig
      • mind. 1-jährige Mitgliedschaft in der Sommelier-Union
    • Sprache:
      • deutsch
    • Unterrichtsform:
      • keine Ausbildung, sondern Erwerb der Berufsbezeichnung Sommelier (verbandsgeprüft)
    • Einführung:
      • 2004
    • Zur Beachtung:
      • Der Court of Master Sommeliers erkennt die Prüfung zum ''Sommelier verbandsgeprüft'' soweit an, das Absolventen dieser Prüfung den ''Introductory Sommelier Course'' und den ''Advanced Sommelier Course'' zur Vorbereitung auf das ''Master Sommelier Diploma''nicht mehr ablegen müssen.
        Unsere Absolventen haben damit viel Zeit und auch Geld gespart!
    4. Internationale Weinausbildung an der Wein- und Sommelierschule Koblenz (in Vorbereitung)
    • Schwierigkeitsgrad / Anspruch:
      • anspruchsvoll - für Weinprofis
    • Zulassung:
      • IHK geprüfter Sommelier und zwei Jahre einschlägige Berufspraxis
      • Staatlich geprüfter Sommelier der Fachschule für Sommeliers in Heidelberg und zwei Jahre einschlägige Berufspraxis
      • eine adäquate internationale Ausbildung (z.B. Weinakademiker, Weinakademie Österreich)
    • Dauer:
      • 3 Jahre
    • Besonderheit:
      • Weinwissen wird direkt in den jeweiligen Weinregionen der Welt vermittelt (mehrere mehrtägige Weinreisen)
      • Modul ''Train the trainer''
    • Zulassung zur Prüfung:
      • 5 Diplomarbeiten
    5. DIPLOMA IN WINES AND SPIRITS

    des britischen Wine and Spirit Education Trust (WSET), der weltweit größten Weinschulungsinstitution

     

    • Schwierigkeitsgrad / Anspruch:
      • sehr hoch
    • Zulassung:
      • spezielle Prüfung
    • Abschluss:
      • ''Weinakademiker''
    • Dauer:
      • 2 Jahre
    • Sprache:
      • deutsch
    • Unterrichtsform:
      • berufsbegleitend, Fernstudium
    • Kosten:
      • € 1.789,-- pro Jahr
    • Zur Beachtung:
      • International anerkannte Qualifikation und empfohlene Vorstufe auf dem Weg zur elitären Master of Wine (MW)-Prüfung.
      • Jährlich schließen weltweit ca. 250 Kandidaten diese Ausbildung mit Erfolg ab.
      • Seit Januar 2002 kann wird diese zweijährige Ausbildung an der FH Geisenheim/Rheingau in deutscher Sprache berufsbegleitend angeboten.
      • Fernstudium mit drei mehrtägige Wochenendseminare pro Studienjahr in Geisenheim sowie eine die eintägige Diplomprüfung im Juni
      • Voraussetzung zu Aufnahme: eine Ausbildung, die an der Wein- und Sommelierschule der IHK Koblenz, der Hawesko Viniversität in Meerbusch bzw. der Münchner Unabhängigen Internationalen Weinakademie abgelegt werden kann
      • Knapp 80 Weinprofis aus Handel, Gastronomie und auch Winzer besuchen seit Januar 2002 das Diploma in Geisenheim. Unter den Teilnehmern sind so bekannte Namen wie Christine Fischer oder Claudia Stern.
      • Die Weinakademie Österreich, zuständig für die Organisation der Seminare, hat hier langjährige Erfahrung. Seit 1993 wird das DIPLOMA IN WINES AND SPIRITS in deutscher Sprache in Rust/Österreich angeboten. Mehr als 500 Teilnehmer aus 11 Nationen haben seither das Diplomseminar besucht, die Zahl der Absolventen beträgt jedoch nur 134. Diese Zahlen allein zeugen von der Attraktivität bzw. dem hohen Anspruchsniveau der Ausbildung und dem Schwierigkeitsgrad der Diplomprüfung.
    6. Studium des Weinbaus und der Oenologie (Kellerwirtschaft) an der FH Geisenheim (Hessen)
    • Schwierigkeitsgrad / Anspruch:
      • hoch
    • Zulassung:
      • Abitur oder Fachhochschulreife
    • Abschluss:
      • Diplomingenieur (FH) für Weinbau und Oenologie
    • Dauer:
      • 4 Jahre (3 Jahre Theorie, 1 Jahr Praktikum)
    • Berufsfelder:
      • technischer Betriebsleiter in großen Weingütern

    Die Besonderheit der Ausbildung: enge Verzahnung von Lehre und praxisbezogener Forschung

    7. Studium der Weinbetriebswirtschaft an der FH Weinsberg
    • Schwierigkeitsgrad / Anspruch:
      • hoch
    • Zulassung:
      • Abitur oder Fachhochschulreife
    • Abschluss:
      • Diplombetriebswirt/-in (FH)
    • Dauer:
      • 4 Jahre
    • Ausbildungsschwerpunkt:
      • Weinmarketing
    • Berufsfelder:
      • Vertriebsmanagement, Marketing bei Weinkellereien und Verbänden der Weinwirtschaft
    8. Master of Wine (MW)
    • Schwierigkeitsgrad / Anspruch:
      • extrem hoch
      • weltweit strengster Prüfstein für Weinkenner
    • Zulassung:
      • ''Weinakademiker'' (WSET)
    • Abschluss:
      • Master of Wine (MW)
    • Dauer:
      • 2 Jahre
    • Sprache:
      • englisch.
      • Prüfungsorte: GB, USA, Australien
    • Zur Beachtung:
      • Die Prüfung ist außerordentlich schwer, was wohl auch dazu beigetragen hat, dass es weltweit nur 236 Master of Wine gibt. Einer davon ist Jürgen von der Mark, bisher einer der wenigen Deutschen, die diesen Titel tragen, obwohl auch viele andere es versucht haben.
    9. Master-Sommelier (MS)
    • Schwierigkeitsgrad / Anspruch:
      • sehr hoch
    • Abschluss:
      • Master Sommelier (MS)
    • Sprache:
      • englisch
    • Prüfungsorte:
      • GB
    • Unterrichtsform:
      • 3-stufiges Prüfungsprogramm
    • Schema
      • (1) Introductory Sommelier Course
        Niveau: hoch
      • (2) Advanced Sommelier Course
        Voraussetzung: ''Introductory Sommelier Course''
        Niveau: sehr hoch
      • (3) Master Sommelier Diploma
        Voraussetzung: ''Advanced Sommelier Course''
        Niveau: sehr hoch
        Bislang haben nur 2 Deutsche die dritte Stufe zum Master Sommelier bestanden:
        • Frank Kämmer und Henrik Thoma.
    • Besonderheit:
      • Der Court of Master Sommeliers erkennt die Prüfung zum ''Sommelier-verbandsgeprüft'' soweit an, das Absolventen dieser Prüfung den ''Introductory Sommelier Course'' und den ''Advanced Sommelier Course'' zur Vorbereitung auf das ''Master Sommelier Diploma'' nicht mehr ablegen müssen.
        Unsere Absolventen haben damit viel Zeit und auch Geld gespart!
    Teilaspekte der Weiterbildung, Fortbildungsmodule
    • Berufswettbewerbe , z.B.
      • Trophée Philippe de Rothschild
      • Trophée Ruinart
      • Wettbewerb des DWI
    • Weinreisen und Verkostungen
      • ''Learning by drinking''
      • Praxis, Praxis, Praxis
    • Kurse zu Einzelaspekten des Berufs wie Rhetorik, Fremdsprachen (Anbieter: Volkshochschulen etc.)
    • Auswahl des Arbeitgebers und des Jobs
      • Umfang und Stellenwert der Weinkarte im Restaurant prüfen
      • Prüfung, ob eigenes Wissen und Ausbildung gewürdigt wird
      • Wird nur ein Weinkarten-Träger gesucht?
      • Vertrauensverhältnis: Ist ein eigenverantwortlicher Weineinkauf möglich?
      • Möglichkeiten der Weiterbildung (Zeit für Wettbewerbe, Weinreisen, Seminare)
    • Übernahme von eigener Verantwortung
      • Bsp: Seminare veranstalten: Durch das Aufbereiten eines Themas kann man viel selber lernen.

     

    Schlussbemerkung
    Der Sommelier hat einen Codex / Die Verantwortung eines Sommeliers

    • Ohne Egoismus arbeiten ( keine Primadonna !)
    • Für die Aus- und Weiterbildung der Kollegen sorgen
    • Der Sommelier ist ein Teil der Service-Mannschaft. Die Gesamtleistung zählt! Nicht die Leistung des einzelnen!
    • Der Gast ist de Gewinner. Er darf nie der Verlierer sein.
      Bsp: Der Gast hat das Recht die Non-plus-ultra-Empfehlung des Sommeliers abzulehnen
    • Der Erfolg des Restaurants / Hotels ist wichtiger als der persönliche Ruhm des Sommeliers: Die Weinkarte muß nach wirtschaftlichen Aspekten zusammengestellt werden; nicht die persönlichen, schwer zu verkaufenden Vorlieben des Sommeliers sollten im Vordergrund stehen.
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    Sommelier-Union Deutschland e.V.; c/o Bernd Glauben, Präsident, bernd.glauben(at)sommelier-union.de
    Romantik-Hotel Goldene Traube, Am Viktoriabrunnen 2, D-96450 Coburg